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Liebe Meilemerinnen und Meilemer

31. März 2021

Vor einem Jahr, an dieser Stelle, habe ich Ihnen ans Herz gelegt, Ostern zu Hause zu verbringen und die Eier in den eigenen vier Wänden zu verstecken. Es galt damals die strikte Aufforderung der Behörden, nicht nach draussen zu gehen und niemanden zu treffen. Ich konnte mir nicht vorstellen, heuer ähnliche Parolen wiederholen zu müssen.

Immerhin gilt in der Schweiz anders als in Nachbarländern keine Ausgangssperre. Wir dürfen uns frei bewegen und wir dürfen die Natur geniessen. Das ist uns allen zu gönnen; vor allem jetzt, wo der Frühling Einzug gehalten hat und mit der Umstellung auf die Sommerzeit die Abende wieder länger sind. Zu gönnen ist es insbesondere auch der jungen Generation. Die Corona-Krise verlangt den jungen Menschen sehr viel ab: Kinder müssen in der Schule eine Schutzmaske tragen, Jugendliche können in keinen Partys abtanzen, jungen Erwachsenen fehlt das Zusammensein beim gemeinsamen Sport oder im Ausgang. Das Bedürfnis nach Freiheit und nach gelebter Normalität ist gerade bei der jungen Bevölkerung gross; die Stimmung ist angesichts all der Verbote kritisch. Die Decke ist den Jungen längst auf den Kopf gefallen. So tut es gut, dass es mit der wärmeren Jahreszeit wieder möglich wird, sich draussen zu treffen.

In Meilen leben 1'127 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 11 und 18 Jahren. Sie leiden in besonderem Mass unter dem Lockdown, der ihnen Vieles verunmöglicht. Die Gemeinde Meilen versucht, für etwas Abwechslung zu sorgen: Für die Primarschulkinder gibt es demnächst einen Abenteuerweg, der von einem spannenden Hörspiel begleitet wird. Mehr sei an dieser Stelle noch nicht verraten; die Einzelheiten werden Mitte April, rechtzeitig vor den Frühlingsferien, bekannt gemacht. Für die Grösseren bietet die Gemeinde im «Stella» im Dorf und im «Pumpwerk» im Horn beliebte Örtlichkeiten zur Entfaltung an; die Jugendarbeiterinnen und -arbeiter knüpfen zudem an bekannten Brennpunkten Kontakte im Rahmen der sogenannt «aufsuchenden Jugendarbeit». Die Jugendarbeit mit Workshops und Projekten (wie zum Beispiel einer von Jugendlichen selber auf die Beine gestellten digitalen Schnitzeljagd) bietet Abwechslung, was gerade in dieser eintönigen Corona-Zeit doppelt wichtig ist. Daneben braucht es aber zweifelsohne auch Freiräume, wo die Jungen unter sich sein können; frei von der Beobachtung durch Erwachsene. Vielleicht wird dann manchmal etwas zu laut Musik gehört, zu laut geschwatzt und gelacht. Mich dünkt das noch kein Grund, um sofort die Polizei zu rufen oder sich beim Gemeindepräsidenten zu beklagen. Von der jungen Generation wurde im letzten Jahr und wird immer noch viel Solidarität gefordert zum Schutz der vulnerablen Bevölkerung. So ist es nichts als richtig, wenn umgekehrt auch Verständnis entgegengebracht wird für die Bedürfnisse der Jugend, das Leben zu feiern.

Selbstverständlich hat auch das seine Grenzen. Abfall gehört zusammengeräumt, Scherben auf Kinderspielplätzen sind gefährlich und am späteren Abend sind die Dezibel der Ghettoblaster herunterzudrehen. Respekt gegenüber den übrigen Benutzern der See- oder Parkanlagen und Rücksichtnahme gegenüber dem Schlafbedürfnis der Nachbarschaft dürfen durchaus eingefordert werden. Die Gemeinde Meilen wird diesbezüglich in den nächsten Tagen eine Kampagne starten. An besonders frequentierten und beliebten Hot Spots werden verschiedene Plakate aufgestellt. Mit eingängigen Aussagen wird an die Eigenverantwortung appelliert, wie zum Beispiel «Das räumt dann schon jemand weg – diese Ausrede kannst Du kübeln!» oder «Das hört ja eh keiner – sei still!». Dabei gilt immer: Mit etwas Zurückhaltung auf der einen Seite und Toleranz auf der andern Seite lässt sich's gut nebeneinander leben.

Und hoffentlich lässt sich's auch bald wieder ohne die uns durch das Virus auferlegten Einschränkungen leben. Angesichts der vor uns stehenden Impfung für die breite Bevölkerung ist Zuversicht angesagt. Dank einem enormen Effort konnte in kürzester Zeit die Infrastruktur für das Impfzentrum in der Turnhalle in Dorfmeilen bereitgestellt werden. Nächste Woche geht das Zentrum unter der Regie des Spitals Männedorf für den ganzen Bezirk in Betrieb. Gemäss dem von der kantonalen Gesundheitsdirektion definierten Impfplan sind zuerst die über 75-Jährigen an der Reihe, dann die über 65-Jährigen. Bis dann auch die jüngeren Generationen dran kommen, wird es voraussichtlich Mai. Auch hier wird also Verständnis verlangt; und ich bin sicher, dass die älteren Meilemerinnen und Meilemer sich mit der oben erwähnten Toleranz dafür bedanken, dass ihnen der Vortritt gewährt wird. Die jüngeren Meilemerinnen und Meilemer mögen aus der Perspektive, im Sommer wieder mehr unternehmen zu können, Kraft für die weiterhin notwendige Geduld schöpfen.

Und Kraft für die Bewältigung der immer noch belastenden Krise schenken uns auch die vor uns stehenden Feiertage und der zu erwartende Sonnenschein. Ihnen allen, liebe Meilemerinnen und Meilemer, wünsche ich ein ganz fröhliches und schönes Osterfest!

Dr. Christoph Hiller
Gemeindepräsident

Plakatkampagne der Gemeinde Meilen