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Liebe Meilemerinnen und Meilemer

24. Dezember 2020
Weihnachten und der Jahreswechsel stehen vor der Türe – üblicherweise eine Zeit, die einlädt zum Feiern im Kreis der Familie und mit Freunden. Dieses Jahr ist alles anders. Auf Festessen mit vielen Verwandten und auf das Silvestermenu in einem feinen Restaurant müssen wir verzichten, vielleicht auch auf den Besuch bei den Eltern oder Grosseltern.

Wenn wir zu Hause bleiben und die «stille Nacht» wörtlich nehmen, so mag das ein beruhigendes Innehalten sein. Wenn wir den Jahreswechsel ohne lauten Trubel und ohne Feuerwerk begehen, so mag das eine wohltuende Entschleunigung sein. Aber es sind Einschränkungen, die uns auferlegt sind und uns schwer fallen. Jede Begegnung birgt die Gefahr in sich, dass dieses fiese Corona-Virus weitere Verbreitung findet und Leid auslöst. Es wird deshalb geraten, zwischenmenschliche Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. 

Diese Empfehlung schmerzt unglaublich; während der Festtagszeit ganz besonders. Gerne würden wir liebe Menschen umarmen, doch wir dürfen das nicht. Gerne würden wir zu einer grossen Tafel einladen, doch auch das dürfen wir nicht. Dieses Virus prägt unseren Alltag, verhindert vieles und auferlegt uns Verbote und Vorschriften, wie wir es uns vor einem knappen Jahr mit der blühendsten Phantasie nie hätten vorstellen können.

Dennoch geht es uns in der Schweiz vergleichsweise besser als andernorts; jedenfalls liest man in Berichten immer wieder, es mangle uns an nichts. Das mag vordergründig stimmen: Wer im März noch Hamstereinkäufe machte, realisierte bald, dass wir genug Mehl, Zucker, Teigwaren und Reis haben. Sogar das Toilettenpapier ist nie ausgegangen. Und seit geraumer Zeit sind auch mehr als genug Gesichtsmasken erhältlich. Und doch: Es fehlt uns in Meilen genauso wie auf der ganzen Welt etwas, von dem wir erst jetzt bewusst wahrnehmen, wie wichtig es ist: nämlich das Gesellschaftliche. Es fehlen die sozialen Kontakte im persönlichen Umfeld genauso wie im Dorfleben. Was wir sonst alle als selbstverständlich konsumieren, fand nicht statt: keine Fasnacht, kein Schülerspieltag, keine Serenade, kein Schwimmfest, kein SlowUp, kein Kirchgassfest, kein Streetfood Festival, keine Viehschau, kein Fussball-Public-Viewing, keine Suuser-Chilbi, kein Jubilarenabend, kein Herbst- und kein Weihnachtsmarkt. 

Es lassen sich noch ganz viele weitere beliebte und traditionelle Meilemer Anlässe aufzählen, die dieses Jahr abgesagt werden mussten. Darunter leidet unsere Identifikation mit der engeren Heimat; darunter leidet jede und jeder Einzelne. Immerhin zeigten uns die Bundesfeier am 1. August und das Riesenrad im September, dass Meilen es nicht verlernt hat, gemeinsam Feste zu feiern. Das macht Mut.

Und Mut und Zuversicht brauchen wir. Denn das Fehlen von Familienanlässen und ebenso das Fehlen von öffentlichen Veranstaltungen schlägt aufs Gemüt. Beides führt zu Trostlosigkeit und fördert die Anonymität und Vereinsamung. Das stark eingeschränkte soziale Leben hat eine emotionale Erschöpfung zur Folge.

Dem gilt es entgegenzuwirken. Machen wir das Beste aus der Situation und geniessen bewusst die Momente der Stille und der Besinnung. Wir sind in Meilen – ohne das Gemeindegebiet verlassen zu müssen – diesbezüglich nicht ohne Privilegien. Schätzen wir also zum Beispiel den wunderschön geschmückten Tannenbaum auf dem Dorfplatz oder die Aussichtsbänke beim Ländeli, in der Seeanlage oder am Horn und tanken wir Kraft mit einem Spaziergang am nahegelegenen Pfannenstiel. 

Kraft benötigen wir, um noch länger durchzuhalten und zueinander Sorge zu tragen. Wir benötigen auch weiterhin Solidarität und einen Zusammenhalt. Ich weiss: Das ist einfacher gesagt als getan. Der Austausch untereinander ist schwieriger geworden, zum Teil sogar von Misstrauen geprägt. Die unterschiedlichen Positionen zu den von den Behörden angeordneten oder eben nicht angeordneten Schutzmassnahmen belasten Freundschaften. Und hinter der Maske erkennt man keine Mimik und kein Lächeln. Das tut weh.

Und doch bin ich überzeugt und kenne ich die Meilemerinnen und Meilemer nicht anders: In gelebter Eigenverantwortung bezwingen wir das Virus und im überzeugten Miteinander bewältigen wir die wirtschaftliche Krise. Der Moment wird kommen, in dem wir wiedergewonnene Freiheiten und auch die Unbeschwertheit im Zusammensein geniessen, und zwar ganz bestimmt viel bewusster geniessen und dabei auch herzhaft lachen können.

In diesem Sinn lassen wir das schwierige Jahr 2020 endgültig hinter uns und schauen mit Zuversicht vorwärts, ganz nach dem Motto «neues Jahr – neues Glück».

Im Namen des Gemeinderats wünsche ich Ihnen, liebe Meilemerinnen und Meilemer, besinnliche Weihnachten, eine ruhige Festtagszeit und einen Start ins neue Jahr, das uns wieder all das ermöglichen soll, was uns liebgewonnene Gewohnheiten sind. Und ich wünsche Ihnen vor allem gute Gesundheit.

Christoph Hiller, Gemeindepräsident